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Wolfsexperte über 15 Jahre Wolfsrückkehr in Deutschland: Die Zahlen überraschen

15 Jahre Wolfspopulation in Brandenburg im Vergleich

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Wolfsexperte über 15 Jahre Wolfsrückkehr in Deutschland: Die Zahlen überraschen

Dr. Michael Bergmann überwacht seit 2008 die Wolfspopulation in Brandenburg. Die Entwicklung verlief anders als jede Prognose vorhersagte.

Was erwarteten Sie 2008?

Wir rechneten mit massivem Widerstand der Landwirte und erheblichen Konflikten. Die Modelle sagten 5 bis 8 Rudel für Brandenburg bis 2023 voraus. Wir erwarteten jährlich etwa 150 dokumentierte Nutztierrisse und dachten, dass Schäfer ihre Betriebe aufgeben würden.

Die öffentliche Debatte war extrem polarisiert. Naturschützer ignorierten die wirtschaftlichen Sorgen der Viehhalter. Landwirte übertrieben die Gefahr. Beide Seiten sprachen nicht miteinander. Wir hatten keine funktionierenden Präventionsmaßnahmen und kein Geld für Entschädigungen.

Wie sieht die Situation heute aus?

Brandenburg hat aktuell 47 Rudel, also sechsmal mehr als prognostiziert. Trotzdem liegt die Zahl der Nutztierrisse bei etwa 400 Fällen pro Jahr, nicht bei den erwarteten Tausenden. Der Grund ist simpel: Herdenschutz funktioniert.

90 Prozent der Schäfer nutzen jetzt Elektrozäune mit mindestens 105 Zentimeter Höhe und Untergrabschutz. Das Land finanziert 80 Prozent der Kosten. Bei geschützten Herden liegt die Rissrate unter 2 Prozent. Bei ungeschützten Herden sind es 34 Prozent.

Wir haben 23 Herdenschutzhunde-Teams ausgebildet. Diese Hunde verhindern Angriffe, ohne Wölfe zu töten. Das Entschädigungssystem zahlt innerhalb von vier Wochen, was den wirtschaftlichen Schaden minimiert.

Der wichtigste Unterschied: Lokale Arbeitsgruppen mit Landwirten, Jägern und Naturschützern treffen gemeinsam Entscheidungen. Das eliminiert 80 Prozent der früheren Konflikte. Problemwölfe werden schneller identifiziert und bei Bedarf entnommen.

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